
PRIMA FACIE
mit Eva Kammigan
Monodrama von Suzie Miller | Deutsch von Anne Rabe
Für erwachsenes Publikum | Dauer ca. 75 Minuten, keine Pause
Eine Produktion von Theaterliebe Saar in Kooperation mit der Villa Lessing.
Gefördert vom Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes und von Saar-Toto.
Sonntag, 13. Dezember 2026 um 17:00 Uhr
Weitere Termine: Montag, 14. Dezember 2026 um 19:00 Uhr
Veranstaltungsort: Villa Lessing
Aus organisatorischen Gründen bitten wir um Anmeldung:
„Prima Facie“
lat. „auf den ersten Blick“, „Anscheinsbeweis“
Es ist ein hochspannendes Monodrama über die Mechanismen der Rechtsprechung bei sexualisierter Gewalt. Die Solo-Performance zeigt die Verwandlung einer Frau von einer profilierten Akteurin des Systems zu dessen schärfster Kritikerin. Der Abend ist ein rasanter Mix aus kluger Komödie und erschütterndem Drama.?
Tessa Ensler ist eine brillante Strafverteidigerin. Aus der Arbeiterklasse stammend, hat sie sich mit Fleiß, Biss und Mutterwitz an die Spitze der Londoner Anwaltswelt gekämpft. Sie ist darauf spezialisiert, Männer zu verteidigen, denen sexuelle Übergriffe vorgeworfen werden. Für sie zählt nicht die moralische Frage, sondern allein die juristische Wahrheit: Kann die Staatsanwaltschaft die Schuld zweifelsfrei beweisen? Die Zweifel in der Anklage nutzt sie wie eine Waffe.
Dann wird sie selbst zum Opfer. Nach einem feuchtfröhlichen Abend wird ihr Kollege Julian übergriffig. Tessa erstattet Anzeige und steht plötzlich auf der anderen Seite des Zeugenstands. Sie erlebt, dass das Rechtssystem, an das sie geglaubt hat, nicht auf die gelebte Erfahrung von Frauen ausgerichtet ist. Ihre Glaubwürdigkeit wird mit genau jenen Methoden zerlegt, die sie selbst jahrelang erfolgreich angewandt hat. Das Stück endet nicht mit einem klassischen Sieg, sondern mit einem flammenden Appell gegen ein veraltetes System.
Die Sprache wechselt zwischen elaboriertem Juristendeutsch und dem direkten Slang von Tessas Herkunft. Das gibt dem Abend trotz der Schwere des Themas eine überraschende Leichtigkeit. Die Architektur der Villa Lessing macht das Publikum zu unmittelbaren Prozessbeobachtern, fast zu Geschworenen.
Die Autorin Suzie Miller arbeitete jahrelang als Menschenrechtsanwältin und Strafverteidigerin in Australien, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. „Prima Facie“ basiert auf ihren Erfahrungen im Gerichtssaal. Sie schrieb das Stück aus Wut darüber, wie das Justizsystem Frauen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, systematisch benachteiligt. Daraus erklärt sich die juristische Präzision und psychologische Tiefe des Textes. Die deutsche Fassung stammt von Anne Rabe.
Die MeToo-Debatte hat gezeigt, dass strukturelle Ungerechtigkeit und sexuelle Übergriffe, auch in der Kulturbranche, weiterhin präsent sind. „Prima Facie“ sensibilisiert dafür, ohne zu belehren. Jede dritte Frau erfährt sexuelle Gewalt, es handelt sich also um keine Privatangelegenheit. Männern bietet das Stück einen neuen Blick auf die Grenzen des Einvernehmens („Consent“) und auf Verantwortung im System.
Kooperation und Begleitprogramm
In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Juristinnenbund (djb), Landesverband Saarland. Im Anschluss an ausgewählte Vorstellungen sind Publikumsgespräche mit juristischer Expertise geplant, zum Beispiel zur Frage, wie realistisch das Stück für das deutsche Rechtssystem ist.
Aufführungsrechte: Kiepenheuer Verlag
DAS TEAM
Eva Kammigan
Eva Kammigan (Tessa Ensler): Die Schauspielerin steht seit 25 Jahren auf der Bühne. Sie spielte an Staats- und Stadttheatern in Deutschland, Österreich und Italien. Seit 2018 ist sie fester Teil der freien Szene des Saarlandes und mehrfach Gast am Saarländischen Staatstheater. Zuletzt realisierte sie den von der Kritik gefeierten Solo-Abend „Krieg. Stell dir vor, er wäre hier“.

Philip Stemann
Regie
Er studierte Schauspielregie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin. Nach Regieassistenzen am Deutschen Theater Berlin inszenierte er u. a. am Staatsschauspiel Dresden, am Theater Bremen und am Theater Aachen. Seit 2014 arbeitet er regelmäßig als Regisseur und Autor am Bremer Figurentheater. Mit Eva Kammigan verbindet ihn eine jahrzehntelange Zusammenarbeit.
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Igor Holland-Moritz – Dramaturgie
Nach dem Studium in Bayreuth arbeitete er als Dramaturg am Meininger Staatstheater und an der Neuen Bühne Senftenberg. Seit 2019 leitet er die Europäische Kinder- und Jugendbuchmesse Saarbrücken und ist weiterhin als Dramaturg in der Freien Szene des Saarlandes tätig.

Anmeldung · So., 13.12.2026 · 17:00 Uhr
Veranstalter
Villa Lessing
Liberale Stiftung Saar
Theaterliebe Saar
Veranstaltungsleitung
Hermann Simon
Geschäftsführer
Organisation
Daniela Frieg
Assistentin der Geschäftsleitung
Gäste
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